{"id":370,"date":"2019-03-26T17:42:25","date_gmt":"2019-03-26T17:42:25","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.sbw1870.de\/?page_id=370"},"modified":"2019-04-14T12:44:09","modified_gmt":"2019-04-14T12:44:09","slug":"chronik-teil-ii","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wordpress.sbw1870.de\/?page_id=370","title":{"rendered":"Chronik Teil II"},"content":{"rendered":"\n<h4>Sch\u00fctzenbruderschaft St. Antonius Waldhausen 1870 e.V.  <\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Vereinsgeschichte nach Kriegsende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Neubeginn              <\/strong><br>W\u00e4hrend des 2. Weltkrieges hatte das Vereinsgeschehen geruht. In der ersten Zeit nach dem Zusammenbruch war das Denken und Streben der Bev\u00f6lkerung all ein auf die Daseinsf\u00fcrsorge gerichtet, auf die Befriedigung der elementarst en Bed\u00fcrfnisse. Trotz alledem oder gerade deswegen gab es auch schon bald das Verlangen nach Freude, Ausgelassenheit und Erholung in einer von harter Arbeit gepr\u00e4gten Zeit. Der Wunsch, traditionelle Volksfeste wieder aufleben zu lassen, reifte nach und nach bei allen, die in irgendeiner Weise Verantwortung trugen. Was lag n\u00e4her, als sich zuerst wieder an das Sch\u00fctzenbrauchtum mit seinen Festen und Feiern zu erinnern. Zu Beginn des Jahres 1947 dachte man \u00fcber eine Wiederbelebung des Sch\u00fctzenwesens in Waldhausen nach. Insbesondere Heinrich Jaeger, sen., er war vor dem Krieg stellvertretender Vorsitzender der Waldhausener Sch\u00fctzen gewesen, und Franz K\u00fchle &#8211; Hermannschulte regten die Neubildung der Sch\u00fctzengemeinschaft an. Der Vorkriegsoberst Kaspar Koers war durch eine Unfallverletzung, nicht mehr in der Lage, an der Neugr\u00fcndung mitzuwirken. Schlie\u00dflich wurde die erste Nachkriegsgeneralversammlung am 1. Juni 1947 von Pfarrer Wilhelm Muder er\u00f6ffnet. Der Chronist Lehrer Br\u00fcne schrieb dazu: &#8222;Pfarrer Muder ging in seiner Begr\u00fc\u00dfungsansprache auf den Sinn von Sch\u00fctzenvereinen ein und betonte insbesondere, da\u00df der Name Sch\u00fctze von &#8218;besch\u00fctzen&#8216; abzuleiten sei und nichts mit &#8217;schie\u00dfen&#8216; zu tun habe. Er w\u00fcnsche, da\u00df alle Sch\u00fctzen sich diesem Selbstverst\u00e4ndnis bewu\u00dft seien und danach handeln sollten. Die Besinnung auf die karitative T\u00e4tigkeit im Geiste christlicher N\u00e4chstenliebe, auf den Bruderschaftsgedanken, war angesichts der schweren Zeit nach Kriegsende in besonderer Weise ein Gebot geworden. Dem Seelsorger ging es bei der Belebung des Sch\u00fctzenwesens im Kirchspiel M\u00fclheim um eine enge Bindung der Sch\u00fctzenvereine an die katholische Kirche. Der Anschlu\u00df der Sch\u00fctzenbruderschaft Waldhausen an die kirchliche Vereinigung der K\u00f6lner Erzbruderschaft vom hl. Sebastian als Dachverband katholischer Sch\u00fctzenbruderschaften war das \u00e4u\u00dfere Zeichen hierf\u00fcr. Diese Eingliederung verhinderte zudem, eventuell von der Milit\u00e4rregierung als eine neomilit\u00e4rische Gruppierung verd\u00e4chtigt und verboten zu werden. Die britische Besatzungsbeh\u00f6rde gestattete am 1. Juli 1947 offiziell allen Sebastians-Bruderschaften im Kreis Arnsberg die Erlaubnis zur Wiederaufnahme ihrer althergebrachten Sitten und Gebr\u00e4uche den Vereinigungen das F\u00fchren des Namenszusatzes &#8222;Sch\u00fctzen&#8220;. Die Wahlen in der ersten Generalversammlung nach dem II. Weltkrieg zum Vorstand hatten folgendes Ergebnis:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Vorsitzender: Heinrich Jaeger, sen.<br>2. Vorsitzender: Franz K\u00fchle-Hermannschulte<br>Schriftf\u00fchrer: Fritz Dreischal\u00fcck<br>Adjutant: Fritz M\u00fcller<br>Fahnenoffiziere: Hubert H\u00f6tte &amp; Heinrich Kramer<br>F\u00e4hnrich: Karl Schirk;  alte Fahne: Kaspar Pankoke  <br>K\u00f6nigsoffiziere: Franz Schirk &amp; Kaspar Schulte <\/p>\n\n\n\n<p>Die Versammlung beschlo\u00df einstimmig, am 21. und 22. Juni ein Sch\u00fctzenfest zu feiern. Die Schenke wurde dem Sch\u00fctzenbruder Theodor Brock zugesagt. Eine Genehmigung zur Durchf\u00fchrung des Festes mu\u00dfte bei der Amtsverwaltung in Warstein und bei der Milit\u00e4rregierung eingeholt werden.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Das erste Sch\u00fctzenfest nach dem Krieg 1947              <\/strong><br>Unter dem Datum vom 12.6.1947 stellte die Amtsverwaltung einen &#8222;Erlaubnisschein&#8220; aus. Bemerkenswert ist an diesem Schreiben zweierlei. Um sicher zu gehen, da\u00df die Milit\u00e4rregierung keine Einw\u00e4nde erhob, nannte man die Vereinigung &#8222;Sch\u00fctzenbruderschaft vom hl. Sebastian&#8220;, denn nur die Sebastians-Bruderschaften waren von der Besatzungsbeh\u00f6rde generell erlaubt worden. Die Amtsverwaltung schrieb die Erlaubnis auf die R\u00fcckseite eines Wahlzettels der ersten Kommunalwahl nach dem Krieg, ein deutlicher Hinweis auf die Zeitumst\u00e4nde. Trotz aller Schwierigkeiten lie\u00df man sich nicht entmutigen. Ein Zelt entlieh man damals aus Westereiden gegen 10 Zentner Getreide. Loers Hof (heute Ernst Sauer) war der Festplatz, hier wurde das Zelt aufgebaut. Somit konnte das erste Nachkriegssch\u00fctzenfest im Juni 1947 gefeiert werden. Am Samstagnachmittag vor dem &#8222;erlaubten&#8220; Festtag ermittelte man den neuen K\u00f6nig, Franz Haarhoff. Er hatte beim Vogelabwerfen mit Keulen die gr\u00f6\u00dfte Treffsicherheit bewiesen. Er w\u00e4hlte sich Frau Anni Schulte zur K\u00f6nigin. Am Sonntagnachmittag konnte dann der Festumzug durch die Dorfstra\u00dfen mit dem ersten K\u00f6nigspaar nach Ende des Krieges stattfinden. Stolz trugen K\u00f6nig und K\u00f6nigin wieder die Zeichen ihrer W\u00fcrde, K\u00f6nigskette und K\u00f6niginnen-Diadem \u00dcbrigens ist es der Frau des &#8222;alten&#8220; K\u00f6nigs, Frau Klara Beele, zu verdanken, da\u00df das K\u00f6nigssilber der Sch\u00fctzenbruderschaft erhalten blieb. Sie hatte die K\u00f6nigskette in den unsicheren Kriegsjahren sorgf\u00e4ltig verwahrt. Oberst, Hauptmann und Adjutant ritten zu Pferde im Zug mit. Es gab nur wenige Pferde, die f\u00fcr Festumz\u00fcge geeignet waren, also beim Trommelwirbel des Spielmannszuges und beim Tusch der Blasmusik nicht scheuten. Die \u00e4lteren Waldhausener Sch\u00fctzen erinnern sich noch gern an &#8222;Moritz&#8220; aus dem Stall von August K\u00fchle-Hillebrand, an den Schimmel von Paul Schl\u00fcter und an &#8222;Hektor&#8220;, den Franz K\u00fchle-Hermannschulte besa\u00df. Pferde geh\u00f6rten um diese Zeit zu den wenigen Dingen, auf die man noch stolz sein konnte. Die Pferde waren herausgeputzt, sie trugen blank gewienertes Zaumzeug und einen aus Eichenlaub gewundenen Kranz. Nach dem Umzug hatten die wei\u00dfen Hosen des berittenen Sch\u00fctzenvorstandes oft eine br\u00e4unliche Farbe angenommen. Zum abendlichen Ball unter dem Zelt war die Kleidung wieder in Ordnung gebracht. Trotz der bedr\u00fcckenden Zeitumst\u00e4nde waren alle festlich gekleidet, die Sch\u00fctzen mit ihren Frauen, die Jungsch\u00fctzen mit ihren M\u00e4dchen und auch die G\u00e4ste. Alkoholische Getr\u00e4nke waren 2 Jahre nach Kriegsende noch keine Handelsware. Man hatte sich mit Fliegerbier (Limonade) zu begn\u00fcgen. In verschiedenen H\u00e4usern des Ortes stellte man trotz strengen Verbots Selbstgebrannten her. Die Hinweise auf die Gefahren, denen man sich beim Genu\u00df dieses Alkohols aussetzte, nahm man nicht ernst. Jeder brachte sein Produkt zum abendlichen Sch\u00fctzenball mit. Und dann wurde probiert. Wer hatte die beste Rezeptur? Welches Destillat war am bek\u00f6mmlichsten? Doch die Wirkung des Schwarzbrandes war meist unberechenbar, und dem einen oder anderen Sch\u00fctzenbruder wurde ganz geh\u00f6rig das Fest verdorben. Lehrer Br\u00fcne schrieb nach dem ersten Nachkriegssch\u00fctzenfest kurz und b\u00fcndig ins Protokollbuch: &#8222;Das Fest wurde gefeiert, die K\u00f6nigsw\u00fcrde errang Sch\u00fctzenbruder Franz Haarhoff, der sich Fr\u00e4ulein \u00c4nny Schulte zur K\u00f6nigin erkor. Am Morgen nach dem Fest fand man beim Aufr\u00e4umen einen ausw\u00e4rtigen Gast, vom Selbstgebrannten arg mitgenommen. Man brachte ihn in einem Handwagen zum Hauptmann K\u00fchle-Hermannschulte. Dieser besah sich Rudolf, so hie\u00df der verschm\u00e4hte Liebhaber einer Dorfsch\u00f6nen, und rief Dr. Berghoff aus Allagen hinzu, weil er eine Alkoholvergiftung vermutete. Vom Nachbarhaus beobachtete Wilhelm Eickhoff wenig sp\u00e4ter den untersuchenden Arzt. Wilhelm war ausgebildeter Ortssanit\u00e4ter. Noch im Schlafanzug bekleidet eilte er hinzu und bot seine Hilfe an, indem er rief: &#8222;Herr Dr. Berghoff, hier Sanit\u00e4ter Eickhoff! &#8220; <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Die Sebastiansfeier<\/strong><br>Pfarrer Wilhelm Muder hatte bei den Neugr\u00fcndungen der Sch\u00fctzenbruderschaften im Kirchspiel Pate gestanden und auf die Bindung an die katholische Kirche gro\u00dfen Wert gelegt. Die \u00e4u\u00dferen Zeichen daf\u00fcr waren vielf\u00e4ltig. Die Sch\u00fctzen nahmen mit Fahnenabordnungen und Baldachintr\u00e4gern an allen Prozessionen im Kirchspiel teil. An besonderen Festtagen und Jubil\u00e4en traten sie ebenfalls mit ihren Uniformen und Fahnen in Erscheinung. Das war schon Vorkriegstradition gewesen und gilt bis in die heutige Zeit fort. Pfarrer Muder wollte jedoch den Blick noch st\u00e4rker auf die bruderschaftliche Geisteshaltung lenken und f\u00fchrte die Sebastiansfeier ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Sonntag am oder nach dem 20. Januar, dem Festtag des hl. Sebastian, trafen sich die Sch\u00fctzenbr\u00fcder der drei Kirchspielsbruderschaften aus M\u00fclheim, Sichtigvor und Waldhausen auf dem Klosterhof in Sichtigvor, um mit ihren Fahnenabordnungen am Festhochamt zum Ged\u00e4chtnis des hl. Sebastian teilzunehmen. Das Patronat des hl. Sebastian geht auf den r\u00f6mischen Offizier Sebastianus zur\u00fcck, der im 3. nachchristlichen Jahrhundert Opfer der letzten gro\u00dfen Christenverfolgung wurde. Der Legende nach k\u00fcmmerte er sich um gefangene Christen, wurde deshalb vom Kaiser Diokletian verh\u00f6rt, an einen Baum gefesselt und von Bogensch\u00fctzen beschossen. Durch sein Pfeil-Martyrium wurde Sebastian nicht nur zum wichtigsten und deshalb am h\u00e4ufigsten dargestellten Schutzheiligen gegen die Pest, gegen die von Gott zur Strafe gesandten Pestpfeile, sondern auch zum Schirmherr der Bogensch\u00fctzen. Im \u00fcbertragenen Sinn gilt der hl. Sebastian damit als derjenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, f\u00fcr den Schutz anderer Menschen einzustehen. F\u00fcr die Sch\u00fctzenbr\u00fcder war mit dem Besuch des Gottesdienstes auch ein Fr\u00fchschoppen in der jeweiligen Vereinsgastst\u00e4tte verbunden. Da einige Sch\u00fctzenbr\u00fcder diesen Umtrunk bis weit in den Nachmittag ausdehnten, kamen einige Beschwerden der Ehepartner auf Umwegen dem Pfarrer zu Geh\u00f6r. Einige Frauen raunten hinter vorgehaltener Hand, der Pastor solle die Sebastiansfeier doch bitte wieder abschaffen, sie sei ja auch fr\u00fcher nicht \u00fcblich gewesen. Pfarrer Muder war f\u00fcr seinen Witz und tiefgr\u00fcndigen Humor bekannt. Als die Sebastiansfeier wiederum anstand, erkl\u00e4rte er im Sonntagsgottesdienst: &#8222;Mir sind bez\u00fcglich der Sebastiansfeier einige Beschwerden zu Ohren gekommen. Ich habe deshalb in der Sakristei ein Buch ausgelegt. Jeder, der etwas gegen die Feier einzuwenden hat, kann das dort niederschreiben&#8220;. Pfarrer Muder hatte nat\u00fcrlich damit gerechnet, da\u00df niemand den Mut zur Beschwerde fand. Offene Kritik am Pfarrer? Eine Unm\u00f6glichkeit in diesen Jahren. Er verk\u00fcndete am darauffolgenden Sonntag freudig: &#8222;Ich habe im Beschwerdebuch keine Eintragung gefunden, also kann die Sebastiansfeier wie gewohnt stattfinden&#8220;.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Das Tambourkorps              <\/strong><br>Bald nach dem ersten Nachkriegssch\u00fctzenfest konstituierte sich das Tambourkorps neu. Es hatte schon vor dem Krieg \u00fcber einen langen Zeitraum bestanden. Als Stabf\u00fchrer sind noch Heiner Trompeter und Franz Beele den \u00e4lteren Sch\u00fctzenbr\u00fcdern in guter Erinnerung. Heinrich Gosmann, der auch schon vor dem Krieg Tambourmajor gewesen war, sammelte um sich die Spielleute der &#8222;ersten Stunde&#8220;. Die Ausbildung der Trommler \u00fcbernahm Kaspar H\u00f6tte in Taubeneiche. Zum \u00fcben schonte man die Trommelfelle, man begn\u00fcgte sich mit alten Warenkatalogen. Meist \u00fcbte man sonntags nach dem Mittagessen. Um 2 Uhr wurde es dann Zeit f\u00fcr die Andacht, die man gemeinsam mit Kaspar H\u00f6tte besuchte. Die Fl\u00f6tisten erhielten Unterricht bei Wilhelm Eickhoff (Schmitten). Ge\u00fcbt wurde bei &#8222;Schmitten&#8220; auf der Deele. Wilhelm Eickhoff war nicht gerade von gro\u00dfer Statur. Des besseren \u00dcberblicks wegen stellte er sich auf einen Sch\u00fcsselpott und organisierte den Einsatz zum Spiel einfach so: &#8222;Wann ick nuckere, dann m\u00fcgge spiellen.&#8220; (Wenn ich nicke, dann fangt ihr an zu spielen). Da die Fl\u00f6tisten auch das Marschieren \u00fcben mu\u00dften, f\u00fchrte er die Gruppe regelm\u00e4\u00dfig in seine Weide hinter dem Haus. Einige Zeitgenossen frotzelten: &#8222;Die treten ihm billig die Maulwurfsh\u00fcgel auseinander&#8220;. An Uniformen war nicht zu denken, blaues Oberhemd und dunkle Hose mu\u00dften gen\u00fcgen. Das Tambourkorps wuchs in kurzer Zeit auf eine St\u00e4rke von \u00fcber 30 &#8222;Mann&#8220; heran.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Die Generalversammlung beschlo\u00df: &#8222;Wir feiern auch 1948 ein Sch\u00fctzenfest&#8220;.              <\/strong><br>Konnte das erste Sch\u00fctzenfest nur eint\u00e4gig gefeiert werden, so durfte man das zweite schon wieder auf die althergebrachte Dauer erweitern. Die Genehmigung durch die Amtsverwaltung in Warstein lautete wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p>Warstein, den 19.05.1948<br>Erlaubnisschein<br>Der Sch\u00fctzenbruderschaft St. Antonius Waldhausen wird hiermit Erlaubnis erteilt, ein Sch\u00fctzenfest zu feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag 30. 05. 48 ab 15 Uhr Festumzug<br>Montag 31. 05. Kirchgang und Vogelabwerfen nachmittags 3 Uhr Umzug und Tanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Erlaubnisschein erhielt die Sch\u00fctzenbruderschaft ihren offiziellen Namen &#8222;Sch\u00fctzenbruderschaft St. Antonius Waldhausen&#8220;.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Die Vogelstange, der Trommelmann und der Stangenabend &#8211; die Sch\u00fctzen sind unter sich.<\/strong><br>Zur Festvorbereitung geh\u00f6rte das Aufstellen der Vogelstange, die zu Zeiten der Zeltfeste auf Dalhoffs Hof lagerte. Bereits eine Woche vor dem Fest wurde die Stange ges\u00e4ubert und von den Jungsch\u00fctzen auf der Schulter durch das Dorf zum Schie\u00dfplatz getragen und aufgestellt.  Das war ein nicht ganz einfaches Unterfangen, die Sch\u00fctzen mu\u00dften geh\u00f6rig aufpassen, nicht die Gewalt \u00fcber die Stange zu verlieren. Wenn dann am Nachmittag des Sch\u00fctzenfestsamstages der &#8222;Trommelmann&#8220; durch die Stra\u00dfen marschierte, wu\u00dfte jedermann im Dorf: &#8222;Das Fest kann beginnen&#8220;. Anton Kemper aus Sichtigvor hat \u00fcber viele Jahre mit seiner Trommel das Sch\u00fctzenfest in Waldhausen eingetrommelt: &#8222;Von einer Schar Jungen begleitet, zog ich mit der Trommel von Haus zu Haus. \u00fcberall schenkte man mir einen Schnaps ein. Mit einem Trommelwirbel bedankte ich mich und zog weiter. Einige Familien hatten ein K\u00f6rbchen mit Eiern auf die Haustreppe gestellt. Statt Schnaps trank ich ein rohes Ei aus. Ja, so war es Brauch. Die Anwohner w\u00e4ren beleidigt gewesen, wenn ich eine Stra\u00dfe \u00fcberschlagen h\u00e4tte&#8220;. Die Festank\u00fcndigung durch den Trommelmann war den Waldhausenern nicht genug. Der Adjutant war seit den Mittagsstunden unterwegs, ging in jedes Haus, richtete im Namen des Sch\u00fctzenvorstandes herzliche Gr\u00fc\u00dfe aus und lud alle Hausbewohner ein, am Sch\u00fctzenfest teilzunehmen. Auch er erhielt zum Dank einen Schnaps oder ein Trinkgeld. Das Aufsetzen des Vogels war urspr\u00fcnglich der H\u00f6hepunkt des Stangenabends. Ende der vierziger und Anfang der f\u00fcnfziger Jahre lie\u00df es sich der Landarbeiter Fritz von Eigen &#8211; er war auf Loers Hof angestellt &#8211; nicht nehmen, den Vogel im Sch\u00fctzenzug zum Schie\u00dfplatz zu tragen. Das war schon eine besondere Ehre. Der Vogel in schwindelnder H\u00f6he auf der Stange war oft den Attacken von jungen Burschen aus den Nachbarorten ausgesetzt. Man s\u00e4gte die h\u00f6lzerne Stange an oder gar ab, um den Vogel zu besch\u00e4digen oder gar zu zerst\u00f6ren. Insgeheim freute man sich auf ratlose Gesichter, wenn die Waldhausener Sch\u00fctzen am Montagmorgen Schwierigkeiten hatten, ihren neuen K\u00f6nig zu ermitteln. Um St\u00f6rungen zu verhindern, stellten die Sch\u00fctzen die Sch\u00e4ferkarre von Vonnahmen als Wachh\u00e4uschen unter die Vogelstange, einige Sch\u00fctzenbr\u00fcder wurden zur Wache eingeteilt. Ein paar St\u00f6renfrieden gelang es dennoch, in unbewachten Augenblicken die Verschraubungen der Halterung zu l\u00f6sen. Die Stange st\u00fcrzte herab und zerbarst in drei Teile. August K\u00fchle stiftete eine neue, die in der gef\u00e4hrdeten H\u00f6he mit Eisenstangen armiert wurde. Ruhe kehrte erst ein, als man f\u00fcr ein paar Jahre das Vogelaufsetzen am Stangenabend nur symbolisch durchf\u00fchrte und den Vogel erst kurz vor dem Schie\u00dfen am Montagmorgen auf die Stange setzte. Nach dem Vogelaufsetzen gab es dann ein gem\u00fctliches Beisammensein. Dieser Samstagabend vor dem Sch\u00fctzenfest, der sogenannte &#8222;Stangenabend&#8220; war von jeher ein &#8222;Herrenabend&#8220; gewesen, ein M\u00e4dchen durfte nicht auf dem Fest erscheinen. Offensichtlich hatte man sich nach dem 2. Weltkrieg nicht an \u00fcberkommene Br\u00e4uche gehalten oder sie in den Jahren ohne Feier einfach vergessen, so da\u00df im M\u00e4rz 1948 folgender Beschlu\u00df gefa\u00dft werden mu\u00dfte: &#8222;Laut Generalversammlung darf am Samstagabend kein M\u00e4dchen auf dem Tanzboden erscheinen. M\u00e4dchen unter 18 Jahren d\u00fcrfen nicht zur K\u00f6nigin noch zur Hofdame gew\u00e4hlt werden. In den ersten Nachkriegsjahren galt der Stangenabend nicht als offizieller Sch\u00fctzenfesttag, er diente eigentlich nur der Vorbereitung des j\u00e4hrlichen Hochfestes. Vielleicht lag hier der Grund f\u00fcr die Ausgrenzung der Damen. Dennoch mutet es schon etwas eigenartig an, wenn \u00fcberliefert wird, da\u00df die Sch\u00fctzenbr\u00fcder mangels weiblicher Tanzpartner sich gegenseitig zum Tanz aufforderten.   <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Das Vogelschie\u00dfen 1948<\/strong><br>Der zweite Sch\u00fctzenfesttag begann mit dem Sch\u00fctzengottesdienst in der St.-Barbara-Kirche und der anschlie\u00dfenden Gefallenenehrung. Danach marschierten die Sch\u00fctzen, angef\u00fchrt vom Tambourkorps und der Blasmusik, zum Vogelschie\u00dfen. Oberst, Hauptmann und Adjutant reihten sich hoch zu Pferde hinter der Musik in den Zug ein. Das Tragen der Sch\u00fctzenm\u00fctze war dabei wie auch bei den Festumz\u00fcgen f\u00fcr alle Sch\u00fctzen eine Pflicht. \u00dcbrigens war die Sch\u00fctzenm\u00fctze Ende der zwanziger Jahre eingef\u00fchrt worden. Jeder Sch\u00fctzenbruder konnte sie bei Schneidermeister Fritz Grawe k\u00e4uflich erwerben. Fritz Grawe bot seinerzeit Sch\u00fctzenm\u00fctzen der Marke &#8222;Pek\u00fcro&#8220; mit einem wei\u00df -gr\u00fcn &#8211; roten Band an, stirndruckfrei mit innenliegendem Samtband&#8220;. Der Schneidermeister hatte auch in Uelde eine gro\u00dfe Kundschaft. Als einige Jahre sp\u00e4ter die Uelder Sch\u00fctzenbr\u00fcder nach einer Kopfbedeckung Ausschau hielten, w\u00e4hlten sie bei Fritz Grawe M\u00fctzen in den gleichen Farben. Das erwies sich in der Folgezeit als recht praktisch. Waldhausener und Uelder Sch\u00fctzen konnten sich gegenseitig aushelfen, wenn einmal eine M\u00fctze fehlte. An der Vogelstange am \u00f6stlichen Ortsausgang umrundete der Sch\u00fctzenzug nach altem Brauch einmal die Vogelstange, ehe der Hauptmann zum Vogelschie\u00dfen wegtreten lie\u00df. Das F\u00fchren von Schu\u00dfwaffen jeglicher Art war jedoch zu dieser Zeit von der Besatzungsmacht nicht gestattet. Der Vogel mu\u00dfte also mit Keulen, die eigens zu diesem Zweck angefertigt worden waren, abgeworfen werden. Damit ein Vogelabwurf einigerma\u00dfen erfolgreich verlaufen konnte, wurde die Vogelstange gek\u00fcrzt und der Vogel selbst leichter als \u00fcblich hergestellt. Nach der K\u00f6nigsermittlung wurde gratuliert, der Sch\u00fctzenvorstand beriet mit dem neuen K\u00f6nig \u00fcber die Wahl der K\u00f6nigin und des Hofstaates. Schlie\u00dflich erhielt der neue K\u00f6nig seine Insignien \u00fcberreicht, die K\u00f6nigskette und die bekr\u00e4nzte Sch\u00fctzenm\u00fctze. Die Sch\u00fctzen zogen dann mit altem und neuem K\u00f6nig zur\u00fcck ins Dorf. Die Blaskapelle spielte nach alter Tradition und aus den geschmierten Sch\u00fctzenkehlen t\u00f6nte es:<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes, hett&#8217;n Haut,  <br>dei Haut, dei hett&#8217;n Daler kost,  <br>&#8217;n Daler kost,  <br>&#8217;n Daler kost,  <br>&#8217;n Daler kost!<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Jungsch\u00fctzen war es dann Zeit, nach alter Tradition auf Eierklau zu gehen. Um den Sch\u00fctzenfestmontag einigerma\u00dfen zu \u00fcberstehen, ben\u00f6tigte man eine Grundlage. Man glaubte fest an die Wirkung von Eiern, roh genossen oder gebraten, ganz einerlei. Kein H\u00fchnerstall war sicher genug verschlossen. Mancher Jungsch\u00fctze zw\u00e4ngte sich durchs &#8222;H\u00fchnerloch&#8220; und holte sich einfach, was er brauchte. An diesem Tag war es erlaubt, ein Kavaliersdelikt, wenn man so will. W\u00e4hrenddessen bestellte der Adjutant zu Pferde die K\u00f6nigin und den Hofstaat. Die Eingeladenen bedankten sich mit einem Schnaps, den der reitende Bote hoch zu Ro\u00df in Empfang nahm, ehe er zum n\u00e4chsten Haus weiter ritt. Als die Motorisierung einsetzte, \u00e4nderte sich dieser Brauch recht schnell. Der Adjutant erledigte jetzt seine Aufgabe, indem er sich von Haus zu Haus mit dem PKW chauffieren lie\u00df. Eine Besonderheit nach dem Festumzug und dem traditionellen Kaffee trinken am Sch\u00fctzenfestmontag war die Polon\u00e4se, die auf der Wiese am Hof Schl\u00fcter gegangen wurde. \u00dcber viele Jahre lie\u00dfen es sich Dr. Paul Eickenbusch und seine Gattin Frieda nicht nehmen, den Zug der Paare anzuf\u00fchren. Das Publikum sah vom Rand her dem Treiben zu, bewunderte die Festkleidung und spendete nicht selten Beifall. Nach der Polon\u00e4se nahmen die M\u00e4dchen ihren Partner mit nach Hause zum Essen. In fast allen H\u00e4usern war der Tisch gedeckt.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Es gibt wieder Bier und Holzgewehre 1948<\/strong><br>Im Fr\u00fchjahr 1948 hatte Hauptmann Franz K\u00fchle-Hermannschulte mit der Brauerei in Warstein verhandelt. Er trug in einer Versammlung den Sch\u00fctzenbr\u00fcdern vor, da\u00df eine Lieferung von Vollbier zum Sch\u00fctzenfest m\u00f6glich sei. Der Protokollant vermerkte dazu: &#8222;Nach den Ausf\u00fchrungen von Franz K\u00fchle-Hermannschulte entschied sich die Versammlung mit gro\u00dfer Stimmenmehrheit f\u00fcr die Ausgabe von Vollbier&#8220;.&#8216;) Der Beschlu\u00df konnte jedoch nicht problemlos realisiert werden. Eine Verhandlungskommission, bestehend aus den Sch\u00fctzenbr\u00fcdern Heinrich Arens, Kaspar Pankoke, Heinrich Koers und Franz Kloer wurde beauftragt, die Frage des Bierausschanks endg\u00fcltig zu kl\u00e4ren. Nach Jahren erzwungener Abstinenz war die Frage angemessener Bewirtung von besonderer Wichtigkeit geworden. Es war \u00fcblich gewesen, da\u00df die Sichtigvorer Blasmusiker nach dem Sch\u00fctzenball am Sonntagabend in verschiedenen H\u00e4usern Nachtquartier erhielten &#8218; damit sie am Montagmorgen rechtzeitig zum Blasen der Reveille, so nannte man beim Milit\u00e4r den Weckruf mit der Trompete, zur Stelle waren. Ende der vierziger Jahre bereitete die Unterbringung von 14 Musikern jedoch Schwierigkeiten. Der Grund daf\u00fcr mag in dem rasanten Anstieg der Einwohnerzahl Waldhausens zu suchen sein. Lebten 1939 348 Einwohner in Waldhausen, so waren es 1946 465 und 1950 sogar 495. Neue Wohnungen waren deswegen nicht entstanden, es war in den H\u00e4usern f\u00fcr alle etwas enger geworden. So entschied man sich, auf die Reveille am Montagmorgen zu verzichten. Die Musiker konnten nach dem Ball zu Hause in Sichtigvor \u00fcbernachten. Zum zweiten Sch\u00fctzenfest nach Kriegsende wollte man wieder Holzgewehre beim Festumzug tragen. Da ein Teil derselben verlorengegangen war besorgte der Verein in Sichtigvor und M\u00fchlheim leihweise 50 Holzgewehre. Der Schriftf\u00fchrer, Lehrer Br\u00fcne, schrieb im Sommer 1948 ins Protokollbuch: &#8222;Das diesj\u00e4hrige Sch\u00fctzenfest wurde am 30. und 31. Mai auf Loers Hof gefeiert. Der Vogel wurde durch Keulen abgeworfen. Sch\u00fctzenk\u00f6nig wurde Karl Gosmann, Sch\u00fctzenk\u00f6nigin Fr\u00e4ulein Kl\u00e4rchen Kramer. Sch\u00fctzenbr\u00fcder feierten in diesem Jahre ihr 50 j\u00e4hriges Mitgliedsjubil\u00e4um. Es waren die Sch\u00fctzenbr\u00fcder Franz H\u00f6tte, Heinrich Koers, Josef Kordes, Taubeneiche, Kaspar Schulte und Franz Beele aus der Beiwinde. Die Jubilare nahmen im vielgeschm\u00fcckten Wagen am Festzug teil. Oberst Jaeger ehrte die Jubilare in einer herzlich gehaltenen Ansprache. Leider konnte Sch\u00fctzenbruder Franz Beele krankheitshalber nicht teilnehmen. Die Festfreude wurde getr\u00fcbt durch den Tod des langj\u00e4hrigen Obersten und Schriftf\u00fchrers Wilhelm Vonnahme. Vor dem Hause des Toten hielt der Sch\u00fctzenzug an. Die Fahnen senkten sich zum stillen Gru\u00df. Ein Jahr sp\u00e4ter fand das Sch\u00fctzenfest auf Schl\u00fcters Hof statt. Die Festverdingsbedingungen waren noch wenig umfangreich. Die Festwirtin, Frau Grawe, hatte den Festplatz zu stellen, die Musiker mit Getr\u00e4nken zu versorgen und 5,00 DM pro Hektoliter Bier an die Bruderschaftskasse zu zahlen. Zum Festverlauf notierte der Schriftf\u00fchrer: &#8222;Das diesj\u00e4hrige Sch\u00fctzenfest wurde am 29. und 30. Mai gefeiert. Es regnete an beiden Tagen in Str\u00f6men. Dennoch war die Stimmung gut. Sch\u00fctzenk\u00f6nig wurde Karl Schirk, der sich Fr\u00e4ulein Karola K\u00fchle zur K\u00f6nigin erw\u00e4hlte. Der Vogel wurde mit Keulen abgeworfen.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Der Schrotschu\u00df auf den Vogel 1950<\/strong><br>Ein besonderer Vorfall ereignete sich beim Vogelabwerfen am 5. Juni 1950. August K\u00fchle war mit anderen Sch\u00fctzen eifriger Bewerber um die K\u00f6nigsw\u00fcrde. Eine Keule traf ihn dabei an den Kopf und verletzte ihn Gott sei Dank nur geringf\u00fcgig. Das Vogelabwerfen wurde sofort unterbrochen, und der Vorstand zog sich zur Beratung \u00fcber den Fortgang der K\u00f6nigsermittlung zur\u00fcck. Zwischenzeitlich war Josef Koers nach Haus gegangen und hatte seine Schrotflinte geholt. Als Jagdaufseher hatte er bereits wieder die beh\u00f6rdliche Erlaubnis erhalten, eine Waffe zu f\u00fchren. Der Sch\u00fctzenvorstand zeigte sich mit dem sich anbahnenden Vorhaben &#8211; wenn dem einen oder anderen auch noch Bedenken kamen, schlie\u00dflich war der Gebrauch der Schu\u00dfwaffe unter der Vogelstange nicht erlaubt &#8211; einverstanden. August K\u00fchle holte mit wenigen gezielten Schrotsch\u00fcssen den Vogel von der Stange. Der nachmitt\u00e4gliche Festumzug begann mit dem Abholen des K\u00f6nigspaares und des Hofstaates vom Hause der K\u00f6nigin. Hofstaat und Sch\u00fctzenvorstand waren traditionsgem\u00e4\u00df zum Kaffee trinken eingeladen. W\u00e4hrend man nun im Haus an der Kaffeetafel sa\u00df, lagerten die Sch\u00fctzen auf dem Hof und auf der Stra\u00dfe. Das K\u00f6nigspaar versch\u00f6nte den Sch\u00fctzen mit der Spende eines F\u00e4\u00dfchens Bier zwar das Warten, jedoch konnte der Aufenthalt bei regnerischem Wetter recht ungem\u00fctlich werden. August K\u00fchle \u00fcberredete den Vorstand, mit dieser Tradition zu brechen und das Kaffee trinken nach dem Festzug unter das Zelt zu verlegen.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Ein Plan wird realisiert, die Sch\u00fctzenhalle wird gebaut 1952<\/strong><br>Einen bedeutungsvollen Zeitabschnitt in der Geschichte der Sch\u00fctzenbruderschaft St. Antonius nahmen Planung und Durchf\u00fchrung des Neubaus einer Sch\u00fctzenhalle ein. Im Herbst des Jahres 1951 stellte man im Vorstand der Bruderschaft erste \u00dcberlegungen an. \u00c4u\u00dferer Anla\u00df waren die Schwierigkeiten, die man mit den Zeltfesten auf den H\u00f6fen gehabt hatte. Das Sch\u00fctzenfest auf dem Hof Schl\u00fcter Jahre 1949 beispielsweise hatte unter einem au\u00dfergew\u00f6hnlich starken Regen gelitten. Unter dem Zeltdach war es bei schlechter Witterung empfindlich k\u00fchl. Es mu\u00dfte nach den Feiern gr\u00fcndlich aufger\u00e4umt werden, Glasscherben, ohne die geht&#8217;s nun &#8218;mal nicht, sorgten f\u00fcr Unmut, zudem war der Hofraum fast f\u00fcr eine ganze Woche blockiert. Sicherlich gaben auch die Beispiele in den Nachbarorten &#8211; die Allagener bauten um diese Zeit beispielsweise ihre M\u00f6hnetalhalle &#8211; den \u00dcberlegungen zum Hallenbau Auftrieb. Es gab jedoch auch noch andere Erw\u00e4gungen. Zu Beginn der f\u00fcnfziger Jahre setzte eine neue Landflucht ein. Die aufstrebende Industrie und das Bauhandwerk zogen Arbeitskr\u00e4fte an, die Nachkriegsarbeitslosigkeit verschwand fast schlagartig. Den Abwanderungstendenzen aus dem rein landwirtschaftlich strukturierten Waldhausen wollte man entgegenwirken, indem man versuchte, die d\u00f6rfliche Gemeinschaft zu st\u00e4rken. &#8222;Gemeinschaft wird durch das Vereinsleben gef\u00f6rdert. Vereinsleben kann sich nur entwickeln, wenn \u00e4u\u00dfere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu geh\u00f6ren geeignete R\u00e4umlichkeiten&#8220;. Mit diesen Argumenten ging der Sch\u00fctzenvorstand in die au\u00dferordentliche Generalversammlung am 16. 09. 195 1. Der Protokollant vermerkte \u00fcber diese Zusammenkunft: &#8222;Es wurde festgestellt, da\u00df der Bau einer Halle eine Notwendigkeit ist. Die Versammlung sprach sich einstimmig f\u00fcr den Bau einer Halle aus&#8220;. Einige skeptische \u00e4ltere Sch\u00fctzenbr\u00fcder hatten ihren S\u00f6hnen vorher den Rat mit auf den Weg gegeben:&#8220;Stimm men tau, et giett doch nix! (Stimm nur zu, es gibt ja doch nichts!)&#8220;Doch diese sollten sich irren. Im Januar 1952 bestimmte die Sch\u00fctzenversammlung eine Baukommission. Heinrich Jaeger, Kaspar Pankoke, Wilhelm Dalhoff, Anton Gosmann und Franz K\u00fchle geh\u00f6rten ihr an. Wilhelm Dahlhoff z\u00e4hlte zu den tatkr\u00e4ftigsten Verfechtern der Idee, eine Sch\u00fctzenhalle zu errichten. Sein Wort fand stets Anerkennung bei den Sch\u00fctzenbr\u00fcdern. Die Bauplatzfrage konnte kurzfristig gekl\u00e4rt werden. Die Gemeinde Waldhausen tauschte ein ihr geh\u00f6rendes Grundst\u00fcck an der Vogelstange mit dem in der H\u00f6hre gelegenen Grundst\u00fcck der Frau Grawe. Zur Finanzierung schlug der Vorstand folgendes Verfahren vor: &#8222;Alle Landwirte stiften 10 DM pro Morgen (= 1\/4 Hektar) ihres Grundbesitzes. Die \u00fcbrigen Sch\u00fctzenbr\u00fcder sollen einen einmaligen Zuschu\u00df von 50 DM stiften. Der Vorschlag wurde von allen Sch\u00fctzenbr\u00fcden gutgehei\u00dfen &#8222;. Die Spende sollte von allen Milchlieferanten in 12 gleichen Monatsraten vom Milchgeld einbehalten werden. Die Molkerei Niederbergheim erhielt von den Spendern die schriftliche Einwilligung, die monatlichen Raten vom Milchgeld einzubehalten und direkt auf ein Sonderkonto bei der M\u00fclheimer Spadaka zu \u00fcberweisen. Damit praktizierte die Sch\u00fctzenbruderschaft mit gutem Erfolg eine fr\u00fche Form des Bankeinzugverfahrens. Der Besitz eines Grundst\u00fccks durch die Bruderschaft setzte die gerichtliche Eintragung des Vereins voraus. Diese und die weiteren notariellen Angelegenheiten beim Tausch des Grundst\u00fccks mit der Familie Grawe\/ Fleitmann regelte der Notar Luig aus Warstein. Die Gemeinde Waldhausen trat den Bauplatz unentgeltlich an die Bruderschaft ab. Im M\u00e4rz 1952 konnte das Baukommissionsmitglied Wilhelm Dalhoff der Sch\u00fctzenversammlung anhand des vorliegenden Bauplanes einen ausf\u00fchrlichen \u00fcberblick \u00fcber das geplante Bauvorhaben geben. Er erkl\u00e4rte, da\u00df er \u00fcber die gro\u00dfe Einm\u00fctigkeit bei der Sammlung der Spendeneinwilligungen \u00fcberrascht sei. Der Vorstand regte ein Preisschie\u00dfen an. Der finanzielle \u00dcberschu\u00df war f\u00fcr den Hallenneubau bestimmt. Es mutet ein wenig befremdlich an, wenn man Protokollbuch dazu liest: &#8220; Um das Interesse am Schie\u00dfen noch mehr zu steigern, wurde beschlossen, eine Tag f\u00fcr die \u00e4lteren Sch\u00fctzenbr\u00fcder festzusetzen. Auch Frauen und M\u00e4dchen sollen sich am Schie\u00dfen beteiligen &#8222;.  Die Gemeinschaft der Sch\u00fctzen erlebte durch den Hallenbau einen ungeheuren Aufschwung. Man er\u00f6ffnete bereits den 17j\u00e4hrigen die M\u00f6glichkeit zum Eintritt in die Bruderschaft. Sie konnten sich jeweils am 2. Ostertag eines jeden Jahres eintragen lassen. Schon am 11. Mai 1952 konnte der Grundstein zur Volkshalle &#8211; so wird die Sch\u00fctzenhalle gelegentlich in den Archivalien auch genannt &#8211; feierlich gelegt werden. Dazu f\u00fchrte der Schriftf\u00fchrer im Protokollbuch aus: &#8222;Um 14 Uhr marschierte der Verein im Festzug durch Waldhausen zum Bauplatz. Die Festansprachen wurden gehalten vom Amtsdirektor Geisler in Warstein und vom Pr\u00e4ses des Vereins Herrn Pfarrer Muder in M\u00fclheim&#8220;. In den Grundstein legte man damals eine Urkunde. Sie beginnt \u00fcblicherweise mit der Aufz\u00e4hlung der zeitgen\u00f6ssischen weltlichen und kirchlichen &#8222;Regenten&#8220;. Das Vorbild f\u00fcr die Art solcher Urkunden reicht weit in die Feudalzeit zur\u00fcck, als die adeligen und kirchlichen Grundherren ihre Besitzt\u00fcmer und Titel in fast endloser Reihe aufz\u00e4hlten, bevor der Verhandlungsgegenstand erw\u00e4hnt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Urkunde im Grundstein der Sch\u00fctzenhalle hat folgenden Wortlaut:<\/em><br>&#8222;WALDHAUSEN &#8211; PFARREI M\u00fcLHEIM-M\u00f6HNE KREIS ARNSBERG, DEN 11. MAI 1952GELOBT SEI JESUS CHRISTUS!IM JAHRE DES HEILS 1952 &#8211; SIEBEN JAHRE NACH BEENDIGUNG DES 2. WELTKRIEGES &#8211; ALS PAPST PIUS XII. DIE KIRCHE GOTTES REGIERTE, ALS DR. LORENZ J\u00c4GER ERZBISCHOF DER ERZDI\u00d6ZESE PADERBORN WAR, ALS PROFESSOR THEODOR HEUSS ERSTER BUNDESPR\u00c4SIDENT UND KONRAD ADENAUER BUNDESKANZLER DER NEUGESCHAFFENEN BUNDESREPUBLIK WAR, ALS KASPAR PANKOKE ZEITIGER B\u00dcRGERMEISTER DER GEMEINDE WALDHAUSEN WAR, ALS HEINRICH BR\u00dcNE UND GISELA FELDMANN ALS LEHRPERSONEN HIER WIRKTEN, ALS AN DER PFARRKIRCHE WILHELM MUDER PFARRER WAR, UND FRITZ APPELHANS F\u00dcR DIE HIESIGE KAPELLE ALS PFARRVIKAR BESTELLT WAR, ALS DIE SCH\u00dcTZENBRUDERSCHAFT ZUM HL. ANTONIUS IN WALDHAUSEN GELEITET WURDE VON DEM BRUDERMEISTER HEINRICH J\u00c4GER UND DEM HAUPTMANN FRANZ K\u00dcHLE-HERMANNSCHULTE, ALS ANTON GOSMANN SCH\u00dcTZENK\u00d6NIG WAR, ALS DIE BRUDERSCHAFT ETWA 100 MITGLIEDER Z\u00c4HLTE, ALS DIE BAUKOMMISSION, BESTEHEND AUS DEN BRUDERMEISTERN HEINRICH J\u00c4GER UND FRANZ K\u00dcHLE-HERMANNSCHULTE, DEN SCH\u00fcTZENBR\u00dcDERN KASPAR PANKOKE, WILHELM DALHOFF UND ANTON GOSMANN, DIE VORARBEITEN F\u00dcR DEN BAU DER HALLE GELEISTET, ARCHITEKT RIDDERBUSCH AUS WARSTEIN DEN PLAN ZUR HALLE ENTWORFEN HATTE UND BAUUNTERNEHMER THEODOR BEELE MIT DEM BAU DER HALLE BEAUFTRAGT WORDEN WAR, WURDE DIESER GRUNDSTEIN ZUR SCH\u00dcTZENHALLE AM 11. MAI 1952 VOM PR\u00c4SES DER SCH\u00dcTZENBRUDERSCHAFT PFARRER WILHELM MUDER FEIERLICH GEWEIHT UND GELEGT ALS BL\u00dcHENDES SINNBILD F\u00dcR DIE OPFERGESINNUNG UND ALLSEITIGE MITARBEIT DER GEMEINDE, ZUR EHRE GOTTES UND DES HL. ANTONIUS, ZUR PFLEGE VON HEIMAT UND GLAUBE, ZUR ST\u00c4TTE DER FREUDE UND ERHOLUNG. <\/p>\n\n\n\n<p>Es folgen 4 Unterschriften:<br>Wilhelm Muder, Pfarrer, Pr\u00e4ses der Sch\u00fctzenbruderschaft St. Antonius<br>Heinrich Jaeger, Oberst<br>Franz K\u00fchle-Hermannschulte, Hauptmann  <br>Heinrich Br\u00fcne, Schriftf\u00fchrer&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Grundsteinlegung wurde ausgiebig gefeiert. Auf dem Festplatz auf dem Hof Hermannschulte spielte die Musik zum Tanz auf. Der Reinertrag der Feier betrug einschlie\u00dflich einer Sammlung ca. 2000,- DM, der dem Baufonds zuflo\u00df. Der Hallenbau lie\u00df die Sch\u00fctzen zusammenr\u00fccken. Man hatte ein konkretes Ziel, bereitwillig leistete jeder \u00fcber die finanzielle Spende hinaus seinen Arbeitseinsatz. In den von Euphorie getragenen Gemeinsinn flo\u00df jedoch auch ein Wermutstropfen. Denn wie immer bei derartigen Gemeinschaftsaufgaben gibt es auch solche, die abseits stehen. So mu\u00dfte die Sch\u00fctzenversammlung im August 1952 zur Kenntnis nehmen, da\u00df &#8220; sich verschiedene junge Leute weigern, Mitglieder des Vereins zu werden&#8220;. Eine solche Haltung st\u00f6\u00dft in einer Dorfgemeinschaft bekannterma\u00dfen auf gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis. Der Sch\u00fctzenvorstand beschlo\u00df mit 3\/4 Mehrheit, &#8222;diese jungen Leute zu besonderen Leistungen (beim Hallenbau) heranziehen zu k\u00f6nnen&#8220;. Den Vorstandsmitgliedern kam es nicht in den Sinn, damit ihre Kompetenzer in eklatanter Weise \u00fcberschritten zu haben, zu sehr waren sie von der Wichtigkeit und Richtigkeit ihres Unterfangens \u00fcberzeugt. Erw\u00e4hnenswert ist an dieser Stelle da\u00df nach den Pl\u00e4nen des Amtsbaumeisters Ridderbusch aus Warstein die Firma Theodor Beele aus Taubeneiche s\u00e4mtliche Maurerarbeiten ausf\u00fchrte. Die Stahlrohr Dachkonstruktion fertigte die Fa. Benteler aus Bielefeld an. Heinrich Grundhoff aus Sichtigvor lieferte die Hohlblockziegel und die Dacheindeckung, die er aus Neuwied im Rheinland heranschaffte. Unter dem Namen &#8222;Figgen-Blitz&#8220; war Heinrich Grundhoff allgemein bekannt, nicht nur wegen seiner Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit, sondern auch wegen seines Lastwagens der Marke &#8222;Opel &#8211; Blitz&#8220;. Am 31. August und am 1. September 1952 feierte man das erste Sch\u00fctzenfest in der im Rohbau fertiggestellten Halle. Durch Ausschm\u00fcckung mit Birkengr\u00fcn verdeckte man die noch unverputzten Innenw\u00e4nde. Der Chronist Lehrer Br\u00fcne vermerkte dazu: &#8222;Sch\u00fctzenk\u00f6nig 1952 &#8211; 1953 wurde Paul Schl\u00fcter, K\u00f6nigin seine Frau. Das erste Fest in der neuen Halle nahm einen gl\u00e4nzenden Verlauf. Zahlreiche Besucher kamen von ausw\u00e4rts und bewunderten die neue Halle&#8220;. Der Hallenbau wurde im Fr\u00fchjahr 1953 z\u00fcgig weitergef\u00fchrt, obgleich die Bruderschaft einen herben Verlust zu beklagen hatte. Oberst Heinrich Jaeger verungl\u00fcckte bei der Feldarbeit t\u00f6dlich. An seine Stelle wurde am 2. Ostertag Wilhelm Dalhoff gew\u00e4hlt. Au\u00dfergew\u00f6hnlich verlief das Sch\u00fctzenfest am 7. und 8. Juni. Vier K\u00f6nigspaare nahmen am Festumzug teil: <\/p>\n\n\n\n<p>1. Diamantk\u00f6nigspaar <br>Josef Mittrop &#8211; Marita Spindeldreher<\/p>\n\n\n\n<p>2. Silberk\u00f6nigspaar <br>Kaspar Berghoff &#8211; Gertrud Reinold<\/p>\n\n\n\n<p>3. Silberk\u00f6nigspaar<br>Kaspar Eickhoff &#8211; Sophia Hermannschulte<\/p>\n\n\n\n<p>4. K\u00f6nigspaar<br>Paul Schl\u00fcter &#8211; Ehefrau Maria, geb. K\u00fchle<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Die Einweihungsfeier 1953              <\/strong><br>Im September desselben Jahres konnte die Halle feierlich eingeweiht werden. Nach einem Gottesdienst in der Kapelle am fr\u00fchen Morgen zog die Gemeinde in feierlicher Prozession zur Halle. Pfarrer Muder nahm die kirchliche Einweihung vor. Ansprachen vom Di\u00f6zesanpr\u00e4ses, Herrn Studienrat Schilling aus Lippstadt, und vom Oberst Dalhoff sowie ein gemischter Chor gaben der Feier den w\u00fcrdigen Rahmen. Nachmittags bewegte sich ein gro\u00dfartiger Festzug durch den Ort, zu dessem Abschlu\u00df in der Halle Vereinspr\u00e4ses Pfarrer Muder die G\u00e4ste begr\u00fc\u00dfte und Di\u00f6zesanpr\u00e4ses Schilling die Festansprache hielt. An dem Festnachmittag nahmen die befreundeten Bruderschaften aus Allagen, Niederbergheim, Altenmellrich, Altengeseke, Br\u00fcllingsen, Belecke, Drewer, Hirschberg, M\u00fclheim, Sichtigvor, Mellrich, Warstein und Uelde teil.In der Folgezeit k\u00fcmmerte man sich um die Ausgestaltung der Sch\u00fctzenhalle. So schlug beispielsweise Sch\u00fctzenbr\u00fcder Josef Weiken vor, jede Familie m\u00f6ge einen Stuhl stiften. Wieder einmal zogen Sch\u00fctzenbruder mit einer Spendenliste durch die Gemeinde. Die weitere Bestuhlung erhielt man gebraucht vom Kino Mus in Warstein und vom Saal K\u00fchle in Allagen. Von der Kolpingsfamilie Allagen erwarb man gebrauchte Kulissen f\u00fcr die B\u00fchne und von der Gastwirtschaft Franz K\u00fchle Allagen einen B\u00fchnen-Rollvorhang. &#8222;Gebraucht, wie besichtigt 100,&#8211; DM&#8220;, weist die Rechnung vom 1. 11. 53 aus. Es handelte sich wohl um den bemerkenswerten Vorhang, der die Bibelszene &#8222;Daniel in der L\u00f6wengrube&#8220; zeigte und noch vielen Waldhausenern in genauer Erinnerung ist. Die Waldhausener Laienspielgruppe, die nach dem 2. Weltkrieg von Kaspar Eickhoff (Steffens) geleitet wurde, brauchte nun nicht mehr auf den Getreidespeichern bei K\u00fchle-Hermannschulte und Arens (Lues) spielen. Die neue Halle bot ideale Voraussetzungen f\u00fcr das Laienspieltheater. &#8222;Der Reinerl\u00f6s der Theaterauff\u00fchrungen kommt der Halle zugute f\u00fcr weitere Anschaffungen&#8220;, schrieb der Chronist 1955. W\u00e4hrend die &#8222;kleine Halle&#8220; mit der Laienspielb\u00fchne bereits zur Einweihung vollst\u00e4ndig fertiggestellt wurde, blieb die &#8222;gro\u00dfe Halle&#8220; bis zu Beginn der sechziger Jahre unverputzt und ohne Deckenverkleidung. Der urspr\u00fcngliche Plan, \u00fcber dem Eingang eine Wohnung auszubauen, unterblieb ganz. Eine Wohnung ohne Heizung und Sanit\u00e4reinrichtung war um diese Zeit nicht mehr attraktiv.  <\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Traditionen \u00e4ndern sich 1956<\/strong><br>Das Jahr 1956 brachte mehrere bemerkenswerte Ver\u00e4nderungen im Vereinsleben der Sch\u00fctzenbruderschaft. Der langj\u00e4hrige Bruderschaftspr\u00e4ses Pfarrer Wilhelm Muder war verstorben, sein Nachfolger als Pr\u00e4ses und Pfarrer der Kirchengemeinde M\u00fclheim wurde Heinrich Schoppmeier. Mit diesem Wechsel endete die Tradition der Sebastiansfeiern, die allj\u00e4hrlich von den Sch\u00fctzen mit einem feierlichen Gottesdienst in der M\u00fclheimer Pfarrkirche begangen wurden. Ein weiterer Brauch wurde in diesem Jahr durch einen Beschlu\u00df der Generalversammlung ausgesetzt. &#8222;Bei Beerdigungen werden nur noch die Tr\u00e4ger und Nachbarn des Verstorbenen durch den Adjutanten bestellt und zwar kostenlos f\u00fcr die Vereinskasse. Der allgemeine Bestellgang er\u00fcbrigt sich, da es Sitte geworden ist, da\u00df an alle Haushalte Totenbriefe verschickt werden&#8220;. So vermerkte es der Protokollant. Das &#8222;Leichnamsleute Bitten&#8220; oder den &#8222;Tod eines Sch\u00fctzenbruders Ansagen&#8220; geht auf eine urspr\u00fcngliche Zweckbestimmung der Bruderschaft zur\u00fcck, die Sicherung des eigenen Seelenheils. Die Furcht vor dem Tode lie\u00df ein vielf\u00e4ltiges Zeremoniell beim Ableben eines Sch\u00fctzenbruders entstehen. Jeder Sch\u00fctzenbruder konnte sichergehen, da\u00df bei seinem Ableben die &#8222;letzten Dienste&#8220;, die Hilfen der Lebenden f\u00fcr den Eintritt in die Seligkeit, auch erwiesen wurden. Bis auf den heutigen Tag macht es die Sch\u00fctzenbruderschaft ihren Mitgliedern zur Pflicht, f\u00fcr ein ehrenhaftes Begr\u00e4bnis ihrer Toten und f\u00fcr Totenged\u00e4chtnisse zu sorgen. So besteht der Totenbrauch in der Teilnahme der Sch\u00fctzenbr\u00fcder mit einer Fahnenabordnung an der Beerdigung ihres verstorbenen Mitbruders. Dabei ist die Sch\u00fctzenm\u00fctze zu tragen. Selbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernehmen einige Sch\u00fctzen den Tr\u00e4gerdienst. Das gemeinsam gesprochene Gebet der Sch\u00fctzenbr\u00fcder und Ehrenbezeugungen des Obersten und der Fahnenabordnung am offenen Grab sind auch heute noch \u00fcbliche Rituale. In den Generalversammlungen pflegt man ein w\u00fcrdiges Totenged\u00e4chtnis der jeweils zuletzt verstorbenen Sch\u00fctzen. Noch in den sechziger Jahren war es \u00fcblich, in der Generalversammlung ein Gebet zu sprechen. Eine weitere \u00c4nderung des Brauchtums nahm die Generalversammlung dadurch vor, da\u00df sie die Vogelstange am Stangenabend nicht mehr von den Jungsch\u00fctzen durch das Dorf zum Schie\u00dfplatz tragen lie\u00df. Der Schriftf\u00fchrer vermerkte 1957: &#8222;Sch\u00fctzenbruder Hubert H\u00f6tte sorgt f\u00fcr das Einholen und Aufstellen der Vogelstange. Hierf\u00fcr erh\u00e4lt er 5,&#8211; DM vom Verein&#8220;. Einige Jahre sp\u00e4ter wurde das Aufstellen der Vogelstange der Freiwilligen Feuerwehr Waldhausen \u00fcbertragen. Diese nimmt bis auf den heutigen Tag diese Aufgabe wahr, und zwar jeweils eine Woche vor dem Fest. Es sind erst wenige Jahre her, da\u00df am Sonntagabend noch der Brauch der offiziellen Aufnahme der Jungsch\u00fctzen in die Bruderschaft erfolgte. Vor dem Wegbringen der Fahnen zum Hof Hermannschulte rief der Hauptmann die Namen der neu eingetretenen Sch\u00fctzenbr\u00fcder auf und bat sie, ein M\u00e4dchen f\u00fcr den &#8222;Tanz unter der Fahne&#8220; aufzufordern. Mit dieser F\u00f6rmlichkeit wurden sie eindringlich auf die Grunds\u00e4tze der Bruderschaft &#8222;Glaube &#8211; Sitte &#8211; Heimat &#8220; hingewiesen. Erst in letzter Zeit kam das sogenannte &#8222;Kr\u00f6nen&#8220; auf. Der Sch\u00fctzenk\u00f6nig hatte den neuen Vogel rechtzeitig vor dem &#8222;Stangenabend&#8220; auf seine Kosten herstellen zu lassen. Die Nachbarn schm\u00fcckten ihn mit auf Schn\u00fcren gezogenen ausgeblasenen Eiern. Oft war und ist das eine Gelegenheit, im Hause des K\u00f6nigs mit dem Hofstaat ausgiebig zu feiern. In der j\u00e4hrlichen Generalversammlung werden zwei oder drei Mitglieder des Sch\u00fctzenvorstandes bestimmt, die den K\u00f6nig in das Brauchtum des Kr\u00f6nens einweisen.  \u00dcber viele Jahre war es \u00fcblich, zum Sch\u00fctzenball den Erwerb einer Tanzkarte zu fordern. Einige Sch\u00fctzenbr\u00fcder wurden zu Tanzkartenverkauf und -kontrolle abgestellt. Eine bisweilen recht undankbare Aufgabe. Heute mag man schmunzeln, wenn der Schriftf\u00fchrer 1960 protokollierte: Freien Eintritt zum Sch\u00fctzenball haben nur die Ehefrauen der Sch\u00fctzenbr\u00fcder und deren Br\u00e4ute, falls die Hochzeit kurz bevorsteht&#8220;. Dieser Versammlungsbeschlu\u00df galt nur f\u00fcr ein Sch\u00fctzenfest. Wegen Undurchf\u00fchrbarkeit hob ihn die Generalversammlung wieder auf.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Quellen:<br>Gew\u00e4hrsleute Josef Hermannschulte, Theo Brock, Heinrich Jaeger und Alfred K\u00fchle<br>Sch\u00fctzenarchiv Waldhausen, Protokolle 1947 &#8211; 1954<br>Stadtarchiv Warstein<br>Sch\u00fctzenarchiv Waldhausen, Protokolle 1954 &#8211; 1988 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00fctzenbruderschaft St. Antonius Waldhausen 1870 e.V. Vereinsgeschichte nach Kriegsende Ein Neubeginn W\u00e4hrend des 2. Weltkrieges hatte das Vereinsgeschehen geruht. 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